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Öffentlichkeitsarbeit

Stille Helden der Feuerwehr - Rudolf & Johann: Wenn Kameradschaft Generationen verbindet

Bezirk Linz-Land zur Übersicht

Manche Kameradschaften entstehen über Jahre. Andere wachsen über Jahrzehnte. Rudolf Holzer und Johann Lamm gehören zu jenen Menschen, die die Feuerwehr Gerersdorf-Schachen auf ihre ganz eigene Weise geprägt haben.

Johann ist seit 1957 Mitglied der Feuerwehr und wird im Oktober dieses Jahres 89 Jahre alt. Rudolf trat 1963 der Feuerwehr bei. Unterschiedliche Lebenswege haben sie zur Feuerwehr geführt, doch eines verbindet sie bis heute: ihre tiefe Verbundenheit zur Feuerwehr, zu ihren Kameradinnen und Kameraden und zu den Menschen im Ort.

Wer die beiden heute im Feuerwehrhaus erlebt, spürt schnell, dass sie noch immer mit derselben Begeisterung über die Feuerwehr sprechen wie vor vielen Jahrzehnten. Und genau diese Begeisterung zieht sich wie ein roter Faden durch ihre Geschichte.

Wo alles begann

Für Johann begann alles praktisch direkt vor der Haustür. Er wuchs in der Schmiede neben dem damaligen Feuerwehrhaus auf. Die Übungen, die Ausrückungen und das Feuerwehrleben gehörten schon als Bub zu seinem Alltag. Die Begeisterung war früh geweckt und ist bis heute geblieben.

Johann stammt aus einer echten Feuerwehrfamilie. Sein Vater, zwei seiner Brüder, sein Sohn Thomas und mittlerweile auch Enkeltochter Lisa waren beziehungsweise sind Teil der Feuerwehr Gerersdorf-Schachen. Feuerwehr war in seiner Familie nie nur ein Hobby, sondern immer ein selbstverständlicher Teil des Lebens. Als ihn sein beruflicher Weg schließlich nach Gerersdorf führte, fand er dort nicht nur eine neue Heimat, sondern auch eine Feuerwehrgemeinschaft, die ihn bis heute begleitet.

Gemeinsam etwas Bleibendes schaffen

Wenn die beiden von früher erzählen, wird schnell klar, dass sie die Entwicklung ihrer Feuerwehr nicht nur miterlebt, sondern aktiv mitgestaltet haben. Besonders sichtbar wird das beim Blick auf das Feuerwehrhaus. Als in den 1980er-Jahren beschlossen wurde, ein neues Feuerwehrhaus zu errichten, war das für die damalige Mannschaft ein gewaltiges Vorhaben. Geld musste erwirtschaftet werden, unzählige Stunden Eigenleistung waren notwendig und jeder brachte sich dort ein, wo er gebraucht wurde.

Johann Lamm plante das Gebäude eigenhändig. Rudolf unterstützte ihn nicht nur bei der Suche nach passenden Lösungen und Vorbildern für das neue Haus, sondern packte auch selbst tatkräftig mit an. Gemeinsam mit vielen Kameraden entstand Schritt für Schritt jenes Feuerwehrhaus, das bis heute das Zentrum der Feuerwehr Gerersdorf-Schachen bildet. Noch heute holen die beiden stolz die alten Pläne hervor. Während sie die alten Zeichnungen betrachten, werden Erinnerungen lebendig. Erinnerungen an Kameraden, die nach der Arbeit noch auf die Baustelle kamen. An gemeinsame Arbeitseinsätze. An das Gefühl, etwas Bleibendes für kommende Generationen zu schaffen.

Menschen statt Mauern

Doch die Geschichte von Johann und Rudolf erzählt sich nicht nur in Mauern und Bauplänen. Sie erzählt sich vor allem in den Menschen.  Mit besonderem Stolz blickt Johann auf seine Zeit als Feuerwehrkommandant zurück. Im Jahr 1993 wurde unter seiner Führung als erste Feuerwehr im Pflichtbereich eine Jugendgruppe gegründet. Was heute selbstverständlich erscheint, war damals Neuland. Die notwendigen Übungsgeräte gab es nicht zu kaufen – also wurden sie kurzerhand gemeinsam mit den Jugendlichen selbst in der Werkstatt gefertigt. Einige dieser kleinen Reliquien finden sich noch heute im Feuerwehrhaus und erinnern an eine Zeit, in der Improvisation, Zusammenhalt und Begeisterung wichtiger waren als perfekte Rahmenbedingungen.

Am meisten freut Johann jedoch, dass viele der damaligen Jugendlichen heute selbst Verantwortung tragen und Führungsfunktionen innerhalb der Feuerwehr übernommen haben. Für ihn ist das vielleicht die schönste Bestätigung dafür, dass sich jahrelanges Engagement und die Investition in die Jugend gelohnt haben.

Während Johann die Jugendarbeit vorantrieb, war Rudolf oft jene verlässliche Kraft im Hintergrund. Bei Festen, Bewerben und Jugendlagern kümmerte er sich um die Verpflegung und stand oft stundenlang am Grill – Aufgaben, die selten im Mittelpunkt stehen, aber wesentlich zum Gelingen des Feuerwehrlebens beitragen. Viele schöne Erinnerungen der Feuerwehr tragen deshalb auch ein Stück seiner Handschrift – auch wenn diese Arbeit meist abseits des Rampenlichts stattfand.

Besonders gerne erinnern sich die beiden an die Bewerbsfahrten jener Zeit. Oft wurden private Fahrzeuge organisiert, übernachtet wurde dort, wo Platz war – manchmal sogar in Heustadeln. Komfort spielte keine Rolle. Entscheidend war die Begeisterung. Dieser sportliche Geist zeigte sich nicht nur bei Bewerben. Auch bei den Abschnitts- und Bezirksschimeisterschaften waren Johann und Rudolf zwischen 1980 und 2014 regelmäßig mit Begeisterung dabei. Kameradschaft endete für sie nie mit dem Einsatzdienst.

Wenn Johann und Rudolf davon erzählen, merkt man schnell, dass sie nicht zuerst an Fahrzeuge, Geräte oder Gebäude denken. Sie denken an die Kameradschaft. An gemeinsame Übungen. An Einsätze. An die vielen Stunden, die man miteinander verbracht hat. An Menschen, die die Feuerwehr zu dem gemacht haben, was sie heute ist.

Tradition, die Zukunft schafft

Besonders berührend sind ihre Erinnerungen an das alte Feuerwehrhaus. Jenes Gebäude, aus dem sie einst zu Einsätzen ausrückten und das heute als Kapelle genutzt wird. Bei der Maiandacht, die der Feuerwehr gewidmet ist, nimmt dieser Ort bis heute einen besonderen Platz ein. Vergangenheit und Gegenwart liegen hier nur wenige Meter auseinander. Und vielleicht beschreibt genau das die Feuerwehr Gerersdorf-Schachen am besten.  Denn während Johann und Rudolf die Geschichte ihrer Feuerwehr wie kaum andere kennen, leben sie keineswegs nur in Erinnerungen. Bis heute kommen beide regelmäßig ins Feuerwehrhaus. Sie interessieren sich für das aktuelle Geschehen, verfolgen die Entwicklung der Wehr und freuen sich darüber, wie engagiert die junge Generation arbeitet.

Mit großer Wertschätzung sprechen sie über die heutigen Kameradinnen und Kameraden. Man spürt förmlich, wie stolz sie darauf sind, dass die Begeisterung für die Feuerwehr auch in der nächsten Generation weiterlebt. Besonders deutlich wird das, wenn sie über ihre Kommandantin Tanja sprechen. Beide loben sie in höchsten Tönen.

Dass die Feuerwehr Gerersdorf-Schachen mit Tanja die erste Feuerwehrkommandantin des Bezirks stellt, erfüllt sie mit Stolz. Beeindruckend ist dabei vor allem die Selbstverständlichkeit, mit der sie darüber sprechen. Für Johann und Rudolf zählt nicht, ob jemand jung oder alt, Frau oder Mann ist. Entscheidend ist, wie jemand die Feuerwehr lebt. Und genau deshalb stehen sie mit voller Überzeugung hinter ihrer Kommandantin.

Vielleicht ist das auch eines der schönsten Bilder dieses Interviews: Zwei Männer, die zusammen auf rund 130 Jahre Feuerwehrgeschichte zurückblicken und voller Überzeugung die nächste Generation unterstützen. Hier prallen Tradition und Moderne nicht aufeinander. Hier arbeiten sie miteinander.

Das zeigt sich auch im Alltag. Während die beiden voller Begeisterung Geschichten aus vergangenen Jahrzehnten erzählen, nutzen sie selbstverständlich Smartphone und WhatsApp, verfolgen aktuelle Entwicklungen und interessieren sich für alles, was ihre Feuerwehr bewegt.

Tradition wird hier nicht bewahrt, weil sie alt ist. Sondern weil sie verbindet. Und Neues wird nicht abgelehnt, sondern willkommen geheißen, wenn es die Feuerwehr weiterbringt. 

Dass Alter dabei keine Rolle spielt, zeigt Rudolf bis heute eindrucksvoll. Erst heuer hat er seinen Erste-Hilfe-Kurs nochmals aufgefrischt. Nicht, weil er musste, sondern weil er im Ernstfall helfen können möchte. Helfen ist für ihn bis heute keine Frage des Alters, sondern der Haltung.

Mit derselben Hingabe kümmerte er sich über viele Jahre auch um das alte Kleinlöschfahrzeug (KLF) der Feuerwehr. Gleich zweimal wurde das KLF unter seiner Mitwirkung grundsaniert und konnte dadurch beinahe 37 Jahre lang im Dienst bleiben – ein schönes Beispiel dafür, wie Nachhaltigkeit und Wertschätzung für Bestehendes in Gerersdorf-Schachen gelebt werden.

Noch immer mittendrin

Auch heute übernehmen Johann und Rudolf noch wichtige Aufgaben. Gemeinsam ziehen sie vor Weihnachten von Firma zu Firma, sammeln Spenden für die Feuerwehr und pflegen Kontakte, die über Jahrzehnte gewachsen sind. Rund um den Nassbewerb, der weit über die Ortsgrenzen hinaus bekannt ist, sind sie ebenfalls nicht wegzudenken. Als Parkplatz-Einweiser sorgen sie dafür, dass alles geordnet abläuft, und unterstützen dort, wo Hilfe gebraucht wird.

Es sind Aufgaben, die oft kaum jemand wahrnimmt. Aber genau solche Aufgaben halten eine Gemeinschaft zusammen.

Fragt man die beiden, was sie jungen Feuerwehrmitgliedern mitgeben möchten, kommt die Antwort ohne langes Nachdenken. Kameradschaft. Nicht als Schlagwort, sondern als gelebter Wert.

„Einer für alle, alle für einen.“

Dieser Grundsatz begleitet beide seit ihrem Eintritt in die Feuerwehr. Menschen müsse man nehmen, wie sie sind, sagen sie. Kameradschaft dürfe man nicht nur predigen, sondern müsse sie leben. Vielleicht liegt genau darin die besondere Geschichte von Johann Lamm und Rudolf Holzer. Sie haben ihre Feuerwehr mit aufgebaut, gestaltet und geprägt. Sie haben ein Feuerwehrhaus geplant und gebaut, eine Jugendgruppe aufgebaut, Veranstaltungen mitgetragen und Generationen von Kameradinnen und Kameraden kommen und gehen gesehen. Vor allem aber haben sie etwas hinterlassen, das weit wertvoller ist als Pläne, Fahrzeuge oder Erinnerungsfotos: Sie haben Generationen von Feuerwehrmitgliedern vorgelebt, was Kameradschaft wirklich bedeutet. Und genau deshalb gehören Johann Lamm und Rudolf Holzer zu jenen Menschen, ohne die vieles nicht möglich wäre. Zu den stillen Helden der Feuerwehr.